Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club
Kreisverband Rosenheim
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RadwegPrinzregentenstraße
Radwege statt Parkplätze
Aus dem OVB vom 21.3.2003
Parkplätze müssen Radwegen weichen. Rosenheim (bi) - Die Stadt will in der Prinzregentenstraße rund 70 gebührenfreie Parkplätze opfern, damit die Verkehrsachse mitten durch die Stadt für Fahrradfahrer sicherer wird. Nach eingehender Diskussion stimmte der Verkehrsausschuss mit 9:0 Stimmen dafür, 31 Parkplätze am Luitpoldpark und, stadteinwärts gesehen kurz vor der Einmündung der Küpferling-straße, 37 Parkplätze am Haus Prinzregent wegfallen zu lassen. An ihrer Stelle werden auf der Fahrbahn Fahrradstreifen markiert."
Presseerklärung des ADFC-Rosenheim vom 03.04.2003
Sehr angenehm überrascht ist der Kreisverband Rosenheim des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) über die Entscheidung, die in der letzten Verkehrsausschußsitzung getroffen wurde. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen, in der Prinzregentenstraße kostenfreie Parkplätze für eine Radverkehrsführung aufzugeben. Nach den Ergebnissen der im vergangenen Jahr durchgeführten Verkehrserhebungen ist dies der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Ingenieurebüros Ingevost und Sozial Data hatten beide darauf hingewiesen, daß zur Lösung der Verkehrsprobleme in Rosenheim eine konsequente Förderung von ÖPNV und Radverkehr notwendig sei. Rosenheim hat in den letzten Jahren immens in den Autoverkehr investiert. Allein zwei neue Parkhäuser in der Stadtmitte sind im letzten Jahr eröffnet worden. Diese sind bei weitem nicht ausgelastet. Der Verlust der Parkplätze an der Prinzregentenstraße kann also so schmerzlich nicht sein. Die Stadt zeigt mit ihrer Zustimmung zu einem Radfahrstreifen auf der Straße, daß eine gute, sichere und auch sehr kostengünstige Führung des Radverkehrs möglich ist, wenn dem Autoverkehr nicht immer hundertprozentig Vorrang gewährt wird. Der ADFC betrachtet diesen Beschluß als symbolträchtig und hofft, daß es in diesem Sinne weitergeht für mehr Sicherheit und Lebensqualität in Rosenheim. für den Vorstand: Ellen Schmidt
Juli 2003
Der Verkehrsausschuss der Stadt hat in seiner Sitzung am 19. März einstimmig beschlossen, in der Prinzregentenstraße auf ca. 70 Parkplätze zu verzichten. Stattdessen sollen hier Radfahrstreifen markiert werden. Der Verzicht auf die Stellplätze hat Symbolcharakter und lässt auf ein Umdenken bei verantwortlichen PolitikerInnen hoffen. Seitdem hat es massive Proteste von AutofahrerInnen gegeben und der Beschluss steht erneut zur Debatte. Auch wir RadfahrerInnen sollten unsere Interessen vertreten und unsere Zustimmung zum Beschluss des Verkehrsausschusses demonstrieren. Dafür haben wir eine Postkarte entworfen und verteilt, die bis Anfang Juli (nächste Verkehrsausschusssitzung 9.7.)an die Oberbürgermeisterin geschickt werden soll.
Oktober 2003
An der Postkartenaktion zum Radfahrstreifen in der Prinzregentenstraße haben sich ca. 300 Menschen beteiligt, wir schätzen daß etwa gleich viele Stimmen gegen den Radfahrstreifen in der Stadt eingegangen sind. Die Aktion läuft weiter, weil erst in der nächsten Verkehrsausschußsitzung im November nochmal über die Ausführung der Radverkehrsanlage entschieden wird.
Januar 2004
Das Thema Radfahrstreifen in der Prinzregentenstraße wird in der Verwaltung der Stadt immer noch hin- und hergeschoben. Wegen der Proteste gegen den Wegfall von Autostellplätzen werden kostspielige Alternativen zur Führung des Radverkehrs auf einem gemeinsamen Geh-Radweg überlegt. Wir lehnen diese Möglichkeit der Radverkehrsführung ab, weil der Radfahrstreifen sicherer, komfortabler und kostengünstiger ist. Außerdem kann eine bauliche Lösung aus finanziellen Gründen und wegen notwendigem Grunderwerb nur in einem kleinen Teilbereich verwirklicht werden und das bedeutet eine wesentliche Verschlechterung der Situation. An der Postkartenaktion (siehe Verkehrspolitik Juli 2003) haben sich mittlerweile ca. 400 Menschen beteiligt. Die Aktion läuft weiter bis der im März vom Verkehrsausschuss beschlossenen Radfahrstreifen umgesetzt wird. Ganz wichtig für die Sache sind Leserbriefe ans OVB - wer etwas schreiben möchte, kann sich gern von uns beraten lassen
März 2004
Die immer noch anhaltende Diskussion um den vor einem Jahr im Verkehrsausschuss beschlossenen Radfahrstreifen in der Prinzregentenstraße macht deutlich, wie groß der Einfluss der Autolobby ist. Die Postkartenaktion läuft weiter bis der Radfahrstreifen umgesetzt wird.
Juli 2004
Die Diskussion um die Radverkehrsführung in der Prinzregentenstraße ist nach über einem Jahr zu keinem guten Ende gekommen. Der Verkehrsausschuß der Stadt hatte in seiner Sitzung im März 2003 einstimmig beschlossen, in der Prinzregentenstraße auf ca. 70 Parkplätze zu verzichten. Stattdessen sollten hier Radfahrstreifen markiert werden. Ca. 200 Unterschriften gegen den Wegfall der Stellplätze waren im Rathaus eingegangen, und der Beschluß stand erneut zur Debatte. Der ADFC reagierte darauf mit einer Postkartenaktion. Mit über 400 Postkarten befürworteten Rosenheimer RadlerInnen die sichere und kostengünstige Führung auf einem Radfahrstreifen. Der Arbeitskreis zur Förderung des Fahrradverkehrs sprach sich in einer Stellungnahme für die Umsetzung des Radfahrstreifens aus und wies auf die Nachteile einer baulichen Lösung hin. Der ADFC erläuterte in Einzelgesprächen mit Oberbürgermeisterin Bauer und dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Borrmann die Gefahrensituationen, die ein separat geführter Radweg, der nicht einmal durchgehend umgesetzt werden kann, mit sich bringt. Die örtliche Presse berichtete ausführlich zu diesem Thema. Lesen Sie hierzu die Presseerklärung des ADFC Rosenheim. Dennoch wurde der Beschluß vom März 2003 gekippt. Nun wird statt eines Radfahrstreifens, dort wo es möglich ist, der Gehweg zu einem (z.T. kombinierten) Geh- und Radweg erweitert. 1,2 Millionen Euro wird die Fortführung des Rosenheimer Radwege-Flickwerks kosten, weil auf Autostellplätze am Straßenrand nicht verzichtet werden kann
Rosenheim, 2. Juni 2004
Der Kreisverband Rosenheim des Allgemeinen Deutschen FahrradClubs (ADFC) hatte am 26.05.04 eine Sondersitzung einberufen. Thema war die jüngste Entwicklung zur Radverkehrsführung in der Prinzregentenstraße. Vor über einem Jahr hatte der Verkehrsausschuss einstimmig beschlossen, in der Prinzregentenstraße von der Hohenzollern bis zur Wittelsbacherstraße einen Radfahrstreifen auf der Straße zu markieren. Untersuchungen haben ergeben, dass dies die sicherste Möglichkeit der Radverkehrsführung ist. Außerdem ist sie preiswert und kann schnell umgesetzt werden. Allerdings müssen dafür die Autostellplätze am Straßenrand wegfallen. Ca. 200 Unterschriften hatte der Einzelhandel in der Prinzregentenstraße für den Erhalt der Stellplätze gesammelt. Weit über 400 Postkarten gingen im Rathaus ein, mit denen Radfahrerinnen und Radfahrer die Entscheidung des Verkehrsausschusses als einen wichtigen Schritt zur Förderung des Fahrradverkehrs begrüßten. Das Parkplatzproblem wurde von der Stadtverwaltung genauer untersucht. Für die Kurzparker vor dem Haus Prinzregent wurden Ersatzstellplätze in den Seitenstraßen vorgeschlagen. Lediglich für die Dauerparker wurde keine Lösung gefunden. So wurde über ein Jahr nach Möglichkeiten gesucht, um die Autostellplätze in der Prinzregentenstraße zu erhalten. Die am 18. März im Verkehrsausschuss vorgestellte Kompromißlösung bereitet Anlass zur Sorge. Das Ergebnis soll in seiner Umsetzung 1,2 Mio. Euro kosten und bringt keine Verbesserung für Radlerinnen und Radler: Dort, wo es möglich ist, soll neben dem vorhandenen Gehweg ein Radweg angelegt werden. Mit der Erhöhung des Verkehrsaufkommen dachte man früher, die Entmischung der Verkehrsarten sei eine gute Lösung. So wurden für den Radverkehr eigene Radwege angelegt. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die Führung des Radverkehrs auf einem separaten Radweg ein deutlich höheres Unfallrisiko an jeder Kreuzung, Einmündung, Ein- und Ausfahrt birgt. Das Linksabbiegen für den Radverkehr hier z.B. in die Heilig Geist und die Küpferlingstraße ist extrem behindert. In der Prinzregentenstraße stellen Sichtbehinderungen durch parkende Autos und Bäume ein weiteres Sicherheitsrisiko dar. Auch die für die Sicherheit so notwendige einheitliche Führung ist nicht gegeben. Mehrfach wird der Radverkehr auf die Straße zurückgeführt und nach einigen hundert Metern wieder auf den Radweg gelenkt. Jedes Wiedereingliedern in den Straßenverkehr bedeutet eine zusätzliche Gefahrensituation. An der Einmündung Wittelsbacherstraße ist es erst mal aus mit dem Radweg. Hier werden Radfahrende ausgerechnet an der Engstelle vor dem ehemaligen Kino wieder ihrem Schicksal im KfzVerkehr überlassen. Der Bau eines Radweges in der Prinzregentenstraße ist mit Grunderwerb verbunden. Es ist damit zu rechnen, dass dieser nicht im notwendigen Umfang zu realisieren ist. Dann kommt es in der Ausführung zur Unterschreitung der Radwegmindestbreite oder Teile der jetzt geplanten Abschnitte können nicht umgesetzt werden. Eine Umsetzung der Kompromißlösung bedeutet ein Festhalten am Flickwerk der letzten Jahre. Sicherheit für Radfahrende bringt sie nicht. Zum Umsteigen vom Auto aufs Fahrrad lädt sie auch nicht ein. Wenn auf die Dauerstellplätze im Innenstadtbereich nicht verzichtet werden kann, sollten die ungenutzten Parkhausstellplätze mit einbezogen werden, durch Verlagerung von Kurzzeitparkern ins Parkhaus oder das Angebot günstiger Abonnements fürs Langzeitparken. Der ADFC appelliert an Stadträtinnen und Stadträte, den Beschluss vom letzten Jahr nicht aufzugeben und sich für die Umsetzung des Radfahrstreifens als sinnvollste und sicherste Radverkehrsführung einzusetzen.
Februar 2005
Radweg in der Prinzregentenstraße Teilstücke des umstrittenen Radweges in der Prinzregentenstraße sind im Herbst fertig gestellt und als benutzungspflichtig ausgewiesen worden. Zwar ist der Weg in seiner Ausführung um einiges radlerfreundlicher geworden als der bisherige Rosenheimer Standard, das ändert allerdings wenig an den Konfliktsituationen, die ein separater Radweg mit sich bringt. Mittlerweile sind auf diesem Radweg zwei Unfälle an Knotenpunkten passiert. Wir haben Oberbürgermeisterin Bauer um ein Gespräch gebeten, um uns mit ihr über die Konsequenzen zu unterhalten.
Juni 2005
Radweg in der Prinzregentenstraße Im Juni passierte der dritte Unfall auf dem neuen Radweg in der Prinzregentenstraße. Ein klassischer Radwegeunfall: Einer Radfahrerin wurde von einem linksabbiegenden Autofahrer die Vorfahrt genommen. Die Radfahrerin ist an ihren Verletzungen gestorben. Die Stadtratsfraktion Grüne/WIR hat in einem Dringlichkeitsantrag den Rückbau des Radweges und vor allem einen Stopp des weiteren Ausbaus gefordert. Dies führte zu einem Ortstermin und einer Sondersitzung des Verkehrausschusses. Dort wurden die Gefahrensituationen des baulichen Radweges bagatellisiert. Einzige Konsequenz werden die Rotmarkierung der Furt und ein Warnblinksignal sein - Maßnahmen, die der ADFC im April schon der Stadtverwaltung vorgeschlagen hatte.
aktualisiert: 02.10.2010 23:27 Uhr